Erste Hilfe

WT-Ausbilder wissen eine ganze Menge über den menschlichen Körper, durch das eigene Training, die Übungsleiter- und Trainerseminare, die Leadership-Ausbildung, ChiKung, etc…  Nicht zuletzt durch umsichtige Trainingsstrukturierung und –gestaltung passieren – trotz der hohen Wirksamkeit des Systems – glücklicherweise sehr wenige Unfälle im Unterricht. Was aber, wenn der Fak-Sao doch härter kommt als beabsichtigt, wenn der Schüler auf den Kopf stürzt, usw… Eine Vielzahl an Verletzungen ist theoretisch denkbar.

Um in diesem Fall den Ausbildern zusätzliche Handlungssicherheit zu geben, führte Sifu Bodo Seibold (5. PG WT, 1. TG Escrima) am 15.7.2011 ein  Notfallseminar für seine Übungsleiter und Assistenten durch. Für dieses Seminar konnte Harald Keifert, Geschäftsführer von WK-Fortbildungen  gewonnen werden. Herr Keifert ist langjähriger Fachkrankenpfleger für Intensivmedizin und Anästhesie, Praxisanleiter, Lehrer im Gesundheitswesen und leitete mehrjährig selbst die Intensiv/Anästhesie-Weiterbildung am Uniklinikum Ulm. Er ist daneben mit seiner Firma WK-Fortbildungen u.a. als Trainer für innerklinische Intensivpflege und Rettungsmaßnahmen in ganz Deutschland aktiv. Ferner leiten er und sein Team Notfall- und Wiederbelebungsseminare für Laien in außerklinischen Umgebungen wie Schulen, Kindergärten und Betrieben.

Im ersten Teil des Seminars erläuterte der Dozent die anatomischen und physiologischen Strukturen der bevorzugten Angriffsziele im WT: Kopf, Hals, Augen, Genitalien, Brust und Bauchraum. Gemeinsam wurden die anatomischen Gegebenheiten erarbeitet und anhand der jeweiligen Funktionen erörtert, mit welchen Schädigungen bei welcher Art von Treffern zu rechnen ist. Daraus abgeleitet dann, welche Maßnahmen im Schadensfall getroffen werden können und natürlich auch, wo die Grenzen der ersten Hilfe liegen.

Nach einer kurzen Pause wurde zunächst im zweiten Teil die optimale Rettungskette erörtert. Das heißt, wann ruft der Ausbilder den Rettungsdienst, welche Informationen werden am Telefon übermittelt, wie werden anwesende Personen in die Rettungskette eingebunden. Ebenso spannend wurde diskutiert, wie mit den unbeteiligten anderen Schülern verfahren wird. Die nachträgliche Aufarbeitung darf auch nicht zu kurz kommen: Wie geht es den Ersthelfern? Den Schülern, die Zeuge des Notfalls wurden? Wie kam es zum Schadensereignis, wie kann das künftig vermieden werden? Wie lief die Notfallversorgung, was war gut, was kann in Zukunft verbessert werden?

Im Anschluss erläuterte Herr Keifert noch die aktuellen Leitlinien des ERC (European Resuscitation Council), welches die wegweisende Institution bzgl. Wiederbelebung und Notfallmanagement in Europa ist. Manche kennen das Verfahren als das ABC der ersten Hilfe. Aber auch hier gibt es neuere Erkenntnisse und Vorgaben, welche dem Ersthelfer seine Aufgabe erleichtern sollen. Vom Auffinden, der Bewusstseins-, Atmungs- und Kreislaufkontrolle bis zur Durchführung der Herz-Kreislauf-Wiederbelebung wurden die aktuellen Leitlinien durchgesprochen. Anschließend hatten alle Seminarteilnehmer die Möglichkeit, an einer professionellen Trainingspuppe die Wiederbelebungssituation durchzuspielen. Neben der Herzdruckmassage hatten die Teilnehmer die Aufgabe die Trainingspuppe zu beatmen, wobei hier verschiedene Möglichkeiten diskutiert und  – ganz wichtig – auch Aspekte des Selbstschutzes berücksichtigt wurden.

Nach vier Stunden Seminar rauchten  zwar die Köpfe, aber alle Teilnehmer waren hoch zufrieden mit den Inhalten, die praxisnah, verständlich und spannend vom Dozenten vermittelt wurden. Einige „Aha“-Erlebnisse, die Sensibilisierung für Gefahren und Notfallsituationen, sowie die aufgefrischten Kenntnisse der Ersten-Hilfe-Maßnahmen werden die Sicherheit im WT-Unterricht weiter auf hohem Niveau gewährleisten und damit die Professionalität der EWTO als Kampfkunstverband unterstreichen.